Wikipedia hilft nicht beim Kreditkartenschulden eintreiben

Autor: Kreditkarten123.de · 27. April 2009, 07:20 Uhr

Abstruse Überschrift, mag man denken – aber mindestens genauso kurios war die Argumentation, die ein Inkassounternehmen im US-Bundestaat Jersey vor Gericht vorbrachte, um das Anrecht auf Kreditkartenschulden zu begründen.

Die Firma Palisades Collection LLC hatte unter anderem mittels eines Artikels der New York Times und einem Ausdruck eines Wikipedia-Eintrages zu belegen versucht, dass sie Rechtsnachfolger in einer Reihe von Bankakquisitionen war.

Der Beklagte 48-jährige Steven Graubard hatte bereits 1999 30.000 US-Dollar Schulden auf einer Kreditkarte der Chevy Chase Bank angesammelt. Es folgte eine wahre Rundreise der Schulden, als die Chevy Chase Bank von der Bank One Corp und diese später wiederum von JPMorgan & Chase Co gekauft wurde. Jene trat die Schuldenforderung dann an das Inkassounternehmen ab.

Diese Abfolge von Gläubigern versuchte das Unternehmen zunächst erfolgreich per Wikipedia-Eintrag nachzuweisen, aber ein Berufungsgericht lehnte das als ungültige Beweisführung ab.

“Jeder Mensch mit einer Internetverbindung kann einen Wikipedia-Eintrag ändern, ausdrucken und ihn dann als Beweis vor Gericht anbringen. Es handelt sich um kein zuverlässiges Beweismittel.” befand der vorsitzende Richter.

Das Urteil der vorherigen Instanz wurde aufgehoben.

Der Beklagte verneint weiterhin den Anspruch des Unternehmens gegenüber ihm als Schuldner – seiner Aussage nach machte er zwar tatsächlich die genannten Ausgaben, aber nie mit einer Kreditkarte der Chevy Chase Bank. Das Inkassounternehmen sei nicht “Erbe” dieser Schulden.

Das Urteilsbegründung lässt sich als PDF (45kb) nachlesen. Bei dem Wikipedia-Artikel könnte es sich um diesen hier gehandelt haben.